Wie die verschiedenen Motorenarten funktionieren weiß ja mittlerweile fast jeder; wie sieht es aber mit dem Getriebe aus? Klar,- da sind eine menge Zahnräder drin, mit denen man die Übersetzung zwischen Motor und Hinterrad variieren kann. Wie werden die aber angeordnet, und was schaltet dort drinnen eigentlich?

Fangen wir mit der Baugruppe an, die wir (teilweise) sehen können; - die Schaltwelle:

Den Schalthebel können wir ja nur hoch oder runter drücken; - eigentlich nur zwei Schaltzustände. Zusammen mit dem Leerlauf brauchen wir  bei einem Fünfganggetriebe aber sechs Schaltstellungen. Wie können wir die erreichen? Mit der sogenannten Schaltwalze:

Im obersten Bild sehen wir die Schaltwelle, und die dreht die Schaltwalze: Wollen wir einen Gang höher schalten, dreht eine Klaue die Schaltwalze um ein sechstel: Am anfang der Schaltwalze sind Stifte angebracht (einer grün), in den die Klaue sich einhakt. Schalten wir einen Gang hoch bewegen wir den Stift mit der Klaue nach oben, und drehen damit die Schaltwalze. Lassen wir den Schalthebel wieder in die Ausgangsstellung zurückgleiten, gleitet die Klaue an dem nächsten Stift ab, und wir könnten den nächsten Gang einlegen. Die zweite Klaue ist nur dafür da, damit wir nicht über das Ziel hinaus schießen :-) . Das gleiche funktioniert natürlich auch beim Runterschalten.

Was macht jetzt die Schaltwalze?

In die Schaltwalze sind Kanäle eingefräßt, in denen die Schaltgabeln mit ihren Führungsdornen (grün Markiert) sitzen. Im oberen schematischen Bild sehen wir sozusagen eine abgerollte Oberfläche einer Schaltwalze. Wenn wir die drehen, werden die Schaltgabeln auf ihren Achsen verschoben. Da diese Gabeln in Zahnradpaare (rot) greifen, werden diese auch auf den Getriebewellen verschoben. Diese Zahnräder haben auch seitlich Klauen (Schaltklauen) mit denen sie sich mit benachbarten Zahnrädern (nicht eingezeichnet) verhaken können. Das ist das eigentliche Schalten.

Schauen wir uns mal von irgendeinem Getriebe die Zahnräder und Wellen an (die Einfräsungen in der Schaltwalze oben stimmen mit diesem Getriebe nicht überein. Was aber nicht so wichtig ist, da es nur ums Prinzip geht :-)  ): Die Schaltgabeln sind als Pfeile angedeutet.
Das ganze sieht fürchterlich unübersichtlich aus, deswegen schematisieren wir das ganze einmal. Dazu möchte ich folgende Symbole für die Befestigungsarten der Zahnräder auf den Wellen verwenden:
 
Zahnrad fest mit der Welle verbunden 
Zahnrad drehfest mit der Welle verbunden, aber auf der Welle verschiebbar
Zahnrad auf der Welle verdrehbar, aber nicht verschiebbar
Zahnrad auf der Welle verdreh- und verschiebbar

Schematisiert sieht das Getriebe dann so aus:

Legen wir mal den ersten Gang ein:

Die Schaltgabel (1) schiebt das rote Zahnrad(vierter Gang) zum grünen (erster Gang), so das sich die beiden verhaken: Das grüne Zahnrad auf der Getriebeeingangswelle ist ja fest mit auf der Welle, überträgt das Drehmoment also auf das grüne Zahnrad auf der Getriebeausgangswelle. Das Drehmoment kann aber nicht direkt auf die Ausgangswelle übertragen werden, da das Zahnrad ja auf der Welle drehbar ist. Das Zahnrad ist aber ja fest mit dem roten verbunden, und dieses ist drehfest mit der Ausgangswelle verbunden. Der Kraftverlauf sieht also folgendermaßen aus : Kupplung > Getriebeeingangswelle > grünes Zahnrad > grünes Zahnrad > rotes Zahnrad > Getriebeausgangswelle > Ritzel.

Die weiteren Gänge währen dann:
 
2. Gang: Schaltgabel 2 nach links Kraftverlauf: Kupplung > Eingangswelle > hellblaues Zahnradpaar > gelbes Zahnrad > Ausgangswelle > Ritzel 
3. Gang: Schaltgabel 2 nach rechts Kraftverlauf: Kupplung > Eingangswelle > dunkelblaues Zahnradpaar > gelbes Zahnrad > Ausgangswelle > Ritzel 
4. Gang: Schaltgabel 3 nach rechts Kraftverlauf: Kupplung > Eingangswelle > dunkelblaues Zahnrad > rotes Zahnradpaar >  Ausgangswelle > Ritzel 
5. Gang: Schaltgabel 3 nach links Kraftverlauf: Kupplung > Eingangswelle > dunkelblaues Zahnrad > gelbes Zahnradpaar > Ausgangswelle > Ritzel 

Das war die Abteilung Motorradgetriebe :-) Soweit ich weiß, ist diese Getriebeart in über 99,9% aller Motorräder verbaut. Es gibt zwar noch andere (z.B.: Ziehkeilgetriebe) aber die sind eigentlich nur in kleineren Maschinen wie Roller oder Mofas verbaut.

Was kann an so einem Getriebe eigentlich kaputt gehen? Normalerweise nichts! Diese Getriebe werden schon seit Jahrzehnten in unseren Motorrädern verbaut, und sind absolut ausgereift. Meistens gehen sie nur durch Eigenverschulden kaputt: Einige von uns haben beim Fahren immer den Fuß auf oder unter dem Schalthebel, und halten ihn so ungewollt leicht unter Spannung. Dadurch schleifen die Schaltgabeln immer leicht in den Aufnahmen der Zahnräder, und die Schaltklauen der Zahnräder haben immer leichten kontakt mit den Nachbarzahnrädern. Dadurch verschleißen die Schaltgabeln oder verbiegen sogar, und die Ecken der Schaltklauen runden sich ab. Das führt dazu, das die jeweiligen Nachbarzahnräder sich nicht mehr richtig "verhaken" können, und das Schalten wird immer schwerer oder die Gänge fliegen wieder raus :-(
 Natürlich können die Zahnräder durch Fertigungstoleranzen oder falsche Materialpaarungen Karies bekommen, das ist aber eher selten :-)

Noch ein Wort zu den Selbstschraubern: Wagt euch nur an eine Getriebeüberholung rann, wenn Ihr euch dabei wirklich sicher seid! Wenn ein Motor platzt ist das zwar ärgerlich und teuer, aber da kann man meistens ausrollen, und es so überleben. Wenn aber bei Tempo 200 auf einmal zwei Gänge drin sind geht nichts mehr! Dann blockiert das Hinterrad, und es kann Tote geben :-((( Da braucht man nur einen Sicherungsring falsch einbauen. Wir verwenden bei der Montage daher grundsätzlich nur neue Sicherungsringe und Distanzscheiben!!
Das macht sich preislich bei so einer Überholung eh kaum bemerkbar.